Trinkwasser in Österreich: Wasserhärte aller Orte

Das Leitungswasser in Österreich ist Trinkwasser. In Österreich gilt die Trinkwasserverordnung (TWV), die die Richtlinie (EU) 2020/2184 umsetzt. Über 98 Prozent der 2024 untersuchten Proben entsprachen der TWV. Einen Härtewert für ganz Österreich gibt es nicht, denn jeder Versorger misst eigene Werte.

Bei zwei Werten ist Österreich strenger als die EU: Uran 15 statt 30 µg/l, Nitrit 0,10 statt 0,50 mg/l. Die deutsche Trinkwasserverordnung nennt für Uran 10 µg/l. In Niederösterreich werden rund 600 Katastralgemeinden ausschließlich über Hausbrunnen versorgt.

Welches Recht hier gilt

Europäische Grundlage
Richtlinie (EU) 2020/2184
Nationale Umsetzung
Trinkwasserverordnung (TWV), BGBl. II Nr. 304/2001, zuletzt geändert 2024
Zuständige Behörde
Der Landeshauptmann; den jährlichen Trinkwasserbericht gibt das Gesundheitsministerium heraus
Abweichende Grenzwerte
Zwei Werte sind strenger als in der EU-Richtlinie: Uran 15 statt 30 µg/l und Nitrit 0,10 statt 0,50 mg/l. Bei den übrigen verglichenen Werten stimmen Verordnung und Richtlinie überein.
Amtliche Einhaltungsquote
über 98 % % der Proben, 2024 (Anteil der im Berichtsjahr untersuchten Trinkwasserproben, die der Trinkwasserverordnung entsprechen — bezogen auf Proben, nicht auf Versorgungsgebiete und nicht auf Menschen.)

Die Zahl sagt NICHT, dass 98 % des Wassers in Ordnung und 2 % gesundheitsgefährdend wären. Sie ist eine Probenquote über alle Parameter, einschließlich Indikatorparametern ohne unmittelbare Gesundheitsrelevanz. Sie sagt nichts über einzelne Bundesländer, Gemeinden oder Hausinstallationen und nichts über die Härte. Die mikrobiologischen Quoten (E. coli, Enterokokken) sind getrennt ausgewiesen und dürfen nicht mit der Gesamtquote vermengt werden.

Rechtsgrundlage · Einhaltungsbericht

Denn einen „österreichischen Versorger" gibt es nicht, und einen österreichischen Wasserwert erst recht nicht. Das Trinkwasser stammt aus Grund- und Quellwasser, gefördert und verteilt von Anlagen sehr unterschiedlicher Größe: Wien bezieht über zwei Hochquellenleitungen aus dem Hochschwabgebiet und aus dem Gebiet um Rax, Schneeberg und Schneealpe, andernorts versorgt eine Genossenschaft ein paar Häuser aus einer einzigen Quelle. Eine Härteangabe für ganz Österreich wäre eine Zahl ohne Gegenstand.

Deshalb liegen die Zahlen, die einen Urlauber interessieren, nicht an einer Stelle, sondern bei den Versorgern der einzelnen Städte. Wie Trinkwasser gewonnen wird, entscheidet dabei über fast alles, was man später schmeckt.

Kann man in Österreich das Leitungswasser trinken?

Ja. Das Leitungswasser in Österreich ist Trinkwasser und unterliegt der österreichischen Trinkwasserverordnung (TWV), BGBl. II Nr. 304/2001 in der geltenden Fassung. Sie setzt seit der Novelle BGBl. II Nr. 57/2024 die Richtlinie (EU) 2020/2184 in österreichisches Recht um; Anhang I gilt in der Fassung ab 17. Mai 2024. Rechtsgrundlage ist das Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz.

Diese Zahl ist gut, aber sie ist nicht das, wofür sie im Netz oft ausgegeben wird. „98 Prozent in Ordnung, 2 Prozent gefährlich" ist keine zulässige Lesart.

Bei Uran und Nitrit ist Österreich strenger als die EU

An zwei Stellen geht die österreichische Verordnung über die europäische Vorgabe hinaus, und in beiden Fällen nach unten. Beim Uran stehen damit drei verschiedene Zahlen nebeneinander:

  • Uran — die Richtlinie (EU) 2020/2184 nennt 30 µg/l, die österreichische TWV 15 µg/l, die deutsche Trinkwasserverordnung 10 µg/l. Österreich hält also den halben EU-Wert, bleibt aber über dem deutschen. Anmerkung 20 zu Anhang I Teil B der TWV lässt zu, dass die zuständige Behörde in Regionen, in denen die geologischen Bedingungen zu hohen Urankonzentrationen im Grundwasser führen, bis zu 30 µg/l akzeptiert.
  • Nitrit — 0,10 mg/l nach der TWV gegenüber 0,50 mg/l in der EU-Richtlinie, die den strengen Wert von 0,10 mg/l nur am Ausgang des Wasserwerks verlangt. In Österreich gilt er durchgängig.

Daraus folgt eine praktische Lesehilfe: Der Satz „laut Trinkwasserverordnung gilt der Grenzwert X" bedeutet in Wien etwas anderes als in Würzburg. Wer eine Zahl aus einem deutschen Ratgeber auf ein österreichisches Analysenblatt legt, vergleicht zwei Rechtsräume.

Was die TWV sonst vorgibt

Zwei Werte haben eine lange Übergangsfrist: Blei 5 µg/l und Chrom 25 µg/l sind spätestens ab dem 12. Jänner 2036 einzuhalten, bis dahin gelten 10 beziehungsweise 50 µg/l. Die verschärften Bleiwerte sind also beschlossen, aber noch nicht in Kraft — ein Detail, das auf keiner Verpackung steht und über alte Hausleitungen mehr aussagt als jede Broschüre.

Chlor im österreichischen Trinkwasser

Für freies Chlor nennt die Richtlinie (EU) 2020/2184 keinen Parameterwert. Geregelt sind nur die Nebenprodukte der Desinfektion, in der österreichischen Liste etwa Chlorat und Chlorit mit je 0,25 mg/l. Wer also nach einem Grenzwert für den Chlorgeschmack sucht, sucht nach etwas, das europarechtlich nicht begrenzt ist.

Wie verbreitet Chlorung in Österreich ist, lässt sich aus dem Trinkwasserbericht nicht ablesen — er weist Entsprechungsquoten aus, keine Aufbereitungsverfahren. Eine Zahl dazu steht auf dieser Seite deshalb nicht. Was Chlor im Trinkwasser überhaupt bewirkt und warum der Geruch nach einigen Minuten in der offenen Karaffe nachlässt, haben wir an anderer Stelle beschrieben.

Eine Anlage für zwei Millionen, siebenundneunzig für eine

Die 295 großen Wasserversorgungsanlagen mit mehr als 1.000 m³ pro Tag versorgen zusammen 6.365.269 Menschen. Wien schafft das mit einer einzigen dieser Anlagen für 2.005.760 Personen. Niederösterreich braucht dafür 97 große Anlagen und kommt damit auf 958.963 Personen — weniger als die Hälfte, mit fast hundertmal so vielen Anlagen.

Bei den mikrobiologischen Parametern weist der Bericht die Quoten getrennt aus. Der Abstand zwischen den Größenklassen ist klein, aber er ist da. Beide Zahlenpaare gehören nicht mit der Gesamtquote in einen Topf, und keines davon sagt etwas über eine bestimmte Anlage aus.

Was der Bericht nicht erfasst: die Hausbrunnen

Die interessanteste Lücke der österreichischen Datenlage sind die Haushalte, die in keiner dieser Tabellen vorkommen. In Niederösterreich werden nach der Trinkwassererhebung des Landes rund 600 Katastralgemeinden ausschließlich über Hausbrunnen versorgt; der Anschlussgrad an zentrale Versorgungen liegt landesweit bei etwa 90 Prozent und schwankt je Bezirk zwischen 65 und 100 Prozent. Diese Quelle trägt kein Datum, deshalb steht sie hier ausdrücklich als undatierte Angabe.

Der Punkt ist trotzdem hart: Wer sein Wasser aus dem eigenen Brunnen zieht, taucht in der Anlagenstatistik nicht auf. Die Quote von über 98 Prozent stammt aus Proben, die bei erfassten Wasserversorgungsanlagen gezogen wurden. Über den Brunnen hinter dem Haus sagt sie nichts. Dort ist derjenige zuständig, dem der Brunnen gehört — und dort ist eine eigene Untersuchung des Wassers nicht Zusatzinformation, sondern die einzige Information, die es gibt.

Die letzten Meter gehören dem Haus

Die Zuständigkeit des Versorgers endet an der Übergabestelle, in Österreich wie überall. Was danach kommt, ist Sache der Eigentümerin oder des Eigentümers, und darüber sagt keine Analyse eines Wasserwerks etwas aus. Im Ferienapartment, das zwischen zwei Buchungen leer stand, im Altbau mit langen Steigsträngen, im Wochenendhaus mit selten genutzten Leitungen entsteht das, was ein Befund vom Hochbehälter nicht zeigen kann.

  • Wasser ablaufen lassen, wenn es länger in der Leitung stand, bis es gleichmäßig kalt nachläuft.
  • Kein Warmwasser zum Trinken oder Kochen. Aus warmem Wasser lösen sich Metalle leichter, und im Warmwasserspeicher vermehren sich Legionellen.
  • Bei Verdacht auf alte Blei- oder Kupferleitungen eine Probe am eigenen Hahn untersuchen lassen. Der strengere Bleiwert von 5 µg/l gilt erst ab 2036, und er entlastet die Installation im Haus ohnehin nicht.

Was das österreichische Wasser prägt, kommt aus dem Untergrund: Karst aus den Kalkalpen im Westen und in den Quellgebieten, Porengrundwasser in den Becken und Tälern des Ostens. Daran ändert kein Versorger etwas, und keiner muss es, denn die Werte liegen im Rahmen, den die TWV vorgibt — an zwei Stellen sogar in einem engeren Rahmen als dem europäischen.

Wer mit dem Wohnmobil oder Van unterwegs ist, hat eine Station mehr zwischen Quelle und Glas: den Tank an Bord. Er wird an wechselnden Plätzen befüllt und steht oft tagelang — Filter für Wohnmobil und Camping arbeiten direkt am Anschluss.

Wo es Einschränkungen gibt

Amtlich veröffentlichte Einschränkungen gibt es für Österreich nicht. Vor Ort gilt die Auskunft des örtlichen Versorgers, im Zweifel die Ihres Gastgebers.

Häufige Fragen

Kann man in Österreich das Leitungswasser trinken?

Ja. Das Leitungswasser in Österreich ist Trinkwasser und unterliegt der österreichischen Trinkwasserverordnung, die seit der Novelle von 2024 die Richtlinie (EU) 2020/2184 umsetzt. Für das Berichtsjahr 2024 nennt der Österreichische Trinkwasserbericht eine Entsprechungsquote von über 98 Prozent der untersuchten Proben.

Diese Quote gilt für Proben aus erfassten Wasserversorgungsanlagen. Wer aus einem eigenen Hausbrunnen versorgt wird, kommt in dieser Statistik nicht vor; dort ersetzt keine amtliche Kennzahl die eigene Untersuchung.

Wie hart ist das Wasser in Österreich?

Das lässt sich nicht als eine Zahl sagen, und wir nennen deshalb auch keine. Die Härte hängt vom Untergrund und von der Bezugsquelle ab und unterscheidet sich innerhalb einer einzigen Stadt oft deutlich. Veröffentlicht wird sie von den jeweiligen Versorgern, nicht zentral.

Dazu kommt: Die deutschen Härtebereiche weich, mittel und hart nach § 9 Wasch- und Reinigungsmittelgesetz gelten in Österreich nicht. Österreichische Versorger geben Grad deutscher Härte an, verbinden damit aber keine gesetzliche Kategorie.

Ist Chlor im österreichischen Leitungswasser?

Für freies Chlor gibt es in der Richtlinie (EU) 2020/2184 überhaupt keinen Parameterwert. Geregelt sind nur die Nebenprodukte der Desinfektion, in der österreichischen Liste etwa Chlorat und Chlorit mit je 0,25 mg/l.

Wie viele österreichische Versorger chloren, geht aus dem Trinkwasserbericht nicht hervor; er weist Entsprechungsquoten aus, keine Aufbereitungsverfahren. Eine Zahl dazu nennen wir deshalb nicht. Wenn Chlorgeruch stört, hilft eine offene Karaffe: Der größte Teil verflüchtigt sich innerhalb weniger Minuten.

Woher kommt das Trinkwasser in Österreich?

Aus Grund- und Quellwasser. Wien bezieht über zwei Hochquellenleitungen Wasser aus dem Hochschwabgebiet und aus dem Gebiet um Rax, Schneeberg und Schneealpe; in den Becken und Talräumen des Ostens überwiegt Grundwasser aus Brunnen.

Zum Schutz der Gewinnungsgebiete werden Schutz- und Schongebiete ausgewiesen; die fachliche Grundlage dafür ist unter anderem die ÖVGW-Richtlinie W 72. Einen einheitlichen Herkunftsanteil für das ganze Land weist der Bericht nicht aus.

Ist das Leitungswasser in ganz Österreich gleich?

Nein. Zwischen den Versorgungsgebieten liegen Welten, und das ist keine Frage der Qualität, sondern der Geologie. Karstwasser aus den Kalkalpen ist typischerweise anders zusammengesetzt als Porengrundwasser aus einem Beckenuntergrund, und viele Netze mischen mehrere Bezugsquellen.

Auch die Struktur unterscheidet sich stark: Wien versorgt über eine einzige große Anlage rund zwei Millionen Menschen, Niederösterreich braucht für weniger als eine Million 97 große Anlagen. Konkrete Werte stehen deshalb auf den Seiten der einzelnen Städte.

Dürfen Babys und Kleinkinder das Leitungswasser in Österreich trinken?

Grundsätzlich ja, denn für Trinkwasser gelten dieselben Parameterwerte wie für alle anderen auch. Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung gilt trotzdem: immer kaltes Wasser nehmen, nie Warmwasser, und den ersten Schwall ablaufen lassen.

Der kritische Punkt ist nicht das Wasserwerk, sondern die Leitung im Haus. Bei Verdacht auf alte Blei- oder Kupferinstallationen sollte das Wasser am eigenen Hahn untersucht werden, bevor es für Babynahrung verwendet wird. Im Zweifel gibt der zuständige Versorger Auskunft über das Netz bis zur Übergabestelle.

Wer ist zuständig, wenn mit dem Trinkwasser etwas nicht stimmt?

Zuerst der Wasserversorger des Ortes — er betreibt das Netz bis zur Übergabestelle und meldet Störungen und Einschränkungen. Behördlich zuständig ist nach der Trinkwasserverordnung der Landeshauptmann; vollzogen wird über die Lebensmittelaufsicht der Länder, untersucht wird von befugten Untersuchungsanstalten, darunter die AGES.

Liegt das Problem hinter dem Hausanschluss, ist der Wasserversorger nicht zuständig. Dann ist es Sache der Eigentümerin oder des Eigentümers der Liegenschaft.

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Was in Österreich aus dem Hahn kommt, steht in keiner öffentlichen Tabelle

Für Österreich sind keine Analysewerte veröffentlicht. Das ist kein Grund zur Sorge — kontrolliert wird trotzdem. Es heißt nur: Wer wissen will, was im eigenen Glas ist, bekommt die Antwort nicht aus dem Netz. Und wer sie ändern will, sowieso nicht.

Dazu kommt, was ohnehin nicht geprüft wird: Die Trinkwasserverordnung regelt rund 50 Stoffe, im Wasserkreislauf zirkulieren Tausende — Arzneimittelrückstände, Hormone, Pflanzenschutzmittel, Industriechemikalien, Mikroplastik. Was aus der Leitung kommt, ist ein hoher Standard. Es ist nicht das bestmögliche Wasser.

Wäre eine eigene Wasseranalyse die Lösung? Sie wäre der einzige Weg zu Zahlen für Österreich — aber zu Zahlen für einen einzigen Tag, für die Stoffe, die Sie bestellt und bezahlt haben. Am Wasser selbst ändert eine Messung nichts. Wer den Befund ohnehin filtern würde, kann den Filter gleich setzen: Er wirkt an jedem Tag und für alle Stoffe, die er zurückhält.

Wer mehr will als die Einhaltung von Grenzwerten, filtert selbst — leitungsgebunden, direkt an der Entnahmestelle, statt in Flaschen zu investieren. Genau dort, wo die Zuständigkeit des Versorgers endet und Ihre eigene Hausinstallation anfängt: hinter dem letzten Meter, den keine Analyse dieser Seite abdeckt.

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