Trinkwasser in Vorarlberg: Wasserhärte aller Orte
Das Leitungswasser in Vorarlberg kann man trinken. In Vorarlberg gilt die österreichische Trinkwasserverordnung (TWV), nicht die deutsche. Einen Härtewert für ganz Vorarlberg gibt es nicht. Vorarlberg ist das einzige Bundesland mit einem eigenen Trinkwasserbericht — sein jüngster Jahrgang ist 2020.
Dieser Landesbericht wertet 1.662 Trinkwasserproben aus 316 untersuchten Wasserversorgungen aus; die chemische Qualität war darin durchwegs einwandfrei. Aktueller sind die Anlagenzahlen: 23 große, 73 mittlere und 68 kleine Wasserversorgungsanlagen versorgen rund 589.000 Menschen. Eine Einhaltungsquote für das Bundesland weist der Österreichische Trinkwasserbericht nicht aus.
Welches Recht hier gilt
- Europäische Grundlage
- Richtlinie (EU) 2020/2184
- Nationale Umsetzung
- Trinkwasserverordnung (TWV), BGBl. II Nr. 304/2001, zuletzt geändert 2024
- Zuständige Behörde
- Der Landeshauptmann; den jährlichen Trinkwasserbericht gibt das Gesundheitsministerium heraus
- Abweichende Grenzwerte
- Zwei Werte sind strenger als in der EU-Richtlinie: Uran 15 statt 30 µg/l und Nitrit 0,10 statt 0,50 mg/l. Bei den übrigen verglichenen Werten stimmen Verordnung und Richtlinie überein.
Der Österreichische Trinkwasserbericht weist die Entsprechungsquoten nur national aus, nicht je Bundesland. Es gibt daher keine bundeslandbezogene Einhaltungsquote. Die nationale Quote auf ein einzelnes Bundesland zu übertragen wäre eine Erfindung. Zum Landesbericht: Am 28.08.2026 wurden beide Vorarlberger Trinkwasserseiten geprüft (vorarlberg.at/-/trinkwasser-in-vorarlberg und vorarlberg.at/-/trinkwasser-lebensmittel-trinkwasser). Verlinkt sind ausschliesslich die Jahresberichte 2018, 2019 und 2020; ein Bericht für 2021 bis 2025 existiert dort nicht. Der Landesstand bleibt damit ausdrücklich 2020, PDF vom 25.03.2021. Diesen Stand beim Umweltinstitut des Landes vor jeder Neuverwendung erneut prüfen.
Als Alpenland steht Vorarlberg am Anfang der Wasserkette. Historisch hat das zu einer dezentralen Versorgung geführt. Bis heute verwalten zahlreiche Gemeinden ihre Versorgung selbst, daneben stehen Wasserverbände und Wassergenossenschaften.
Das Gestein liefert dazu das Rohmaterial. Ein Teil des Trinkwassers stammt aus gefassten Quellen im Gebirge, der andere aus Brunnen im Grundwasser von Rheintal und Walgau. Oberflächenwasser aus dem Bodensee wird nicht herangezogen. Wie Trinkwasser gewonnen wird, entscheidet deshalb über fast alles, was später im Glas ist.
Kann man in Vorarlberg das Leitungswasser trinken?
Ja. Das Leitungswasser in Vorarlberg ist Trinkwasser und unterliegt der österreichischen Trinkwasserverordnung (TWV), BGBl. II Nr. 304/2001 in der geltenden Fassung. Seit der Novelle BGBl. II Nr. 57/2024 setzt sie die Richtlinie (EU) 2020/2184 in österreichisches Recht um; Anhang I gilt in der Fassung ab 17. Mai 2024. Rechtsgrundlage ist das Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetz. Die deutsche Trinkwasserverordnung gilt hier nicht, auch wenn Ratgeber im Netz sie für Vorarlberg zitieren.
Untersucht wird von befugten Untersuchungsanstalten — in Vorarlberg vor allem vom Institut für Umwelt und Lebensmittelsicherheit des Landes in Bregenz, kurz Umweltinstitut. Und genau dieses Institut macht Vorarlberg zu einem Sonderfall.
Das einzige Bundesland mit eigenem Trinkwasserbericht — Stand 2020
Das Umweltinstitut fasst darin unter dem Titel „Trinkwasser in Vorarlberg — Kontrollergebnisse“ die Kontrollen eines Jahres landesweit zusammen. Als Ausnahme nennt der Bericht einen Grundwasserbrunnen mit zeitweise erhöhtem Nitrat. Welcher das war und wie hoch der Wert lag, nennt der Bericht nicht.
Aber sie ist alt. Der jüngste Jahrgang, den das Land verlinkt, ist 2020; das PDF wurde am 25. März 2021 veröffentlicht. Das entwertet sie nicht — es heißt nur, dass sie keine Auskunft über die Gegenwart geben.
Wenige Anlagen, viele Menschen
Aktuell sind dagegen die Anlagenzahlen aus dem Österreichischen Trinkwasserbericht für das Berichtsjahr 2024. Die großen versorgen 438.000 Menschen, die mittleren 142.000, die kleinen 8.700 — zusammen rund 589.000.
Wie ungewöhnlich das ist, zeigt der Vergleich innerhalb desselben Berichts. In Tirol stehen 35 großen Anlagen 240 mittlere und 320 kleine gegenüber, in Niederösterreich 97 großen 419 mittlere und 710 kleine. Vorarlberg kommt mit einem Bruchteil davon aus, und es ist das einzige dieser drei Länder mit mehr mittleren als kleinen Anlagen. Die dezentrale Tradition ist hier nicht in Kleinstanlagen erstarrt, sondern zu Verbänden und Gemeindewerken zusammengewachsen — mit dem Trinkwasserverband Rheintal als größtem Versorger des Landes.
Beim Zählen ist trotzdem Vorsicht geboten. Der Landesbericht spricht von 316 untersuchten Wasserversorgungen, die Landeswebsite von „mehr als 360 Wasserversorgungen“, der Bundesbericht von Anlagen in drei Größenklassen. Das sind drei verschiedene Bezugsgrößen aus drei Quellen und drei Jahren. Man darf sie weder addieren noch gegeneinander rechnen.
Bei Uran und Nitrit ist Österreich strenger als die EU
An zwei Stellen geht die österreichische Verordnung über die europäische Vorgabe hinaus, und beide Male nach unten:
- Uran — die TWV nennt 15 µg/l, die Richtlinie (EU) 2020/2184 nennt 30 µg/l, die deutsche Trinkwasserverordnung 10 µg/l. Österreich liegt damit beim halben EU-Wert, aber über dem deutschen. Anmerkung 20 zu Anhang I Teil B der TWV erlaubt der Behörde, in Regionen mit geologisch bedingt hohen Urankonzentrationen im Grundwasser bis zu 30 µg/l zu akzeptieren.
- Nitrit — 0,10 mg/l nach der TWV gegenüber 0,50 mg/l in der EU-Richtlinie. Die Richtlinie verlangt die 0,10 mg/l nur am Ausgang des Wasserwerks; in Österreich gelten sie durchgängig bis zum Hahn.
Zwei Werte haben eine lange Übergangsfrist: Blei mit 5 µg/l und Chrom mit 25 µg/l sind spätestens ab dem 12. Jänner 2036 einzuhalten, bis dahin gelten 10 beziehungsweise 50 µg/l. Der schärfere Bleiwert ist beschlossen, aber noch nicht in Kraft.
Wie hart ist das Wasser in Vorarlberg?
Die Härte entsteht dort, wo das Wasser durch das Gestein läuft, und der Untergrund wechselt in Vorarlberg auf kurzer Strecke: Wasser aus den kristallinen Zügen von Silvretta und Rätikon bringt wenig Calcium und Magnesium mit, Wasser aus Kalk- und Dolomitgebieten deutlich mehr. Zwischen dem weichsten und dem härtesten Vorarlberger Wasser liegen Größenordnungen, nicht Nuancen — und beides kann in Gemeinden anfallen, die nah beieinander liegen.
Dazu kommt eine Feinheit, die auf jeder Waschmittelpackung aus dem deutschen Handel steht: Die Härtebereiche weich, mittel und hart nach § 9 des deutschen Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes gelten in Österreich nicht. Vorarlberger Versorger geben die Härte zwar meist in Grad deutscher Härte an, verbinden damit aber keine gesetzliche Kategorie. Wo doch eine Stufe genannt wird, ist es die Einteilung des Versorgers selbst.
Die letzten Meter gehören dem Haus
Die Zuständigkeit des Versorgers endet an der Übergabestelle. Was danach kommt — Steigstrang, Verteilung, Armatur, Perlator —, gehört der Eigentümerin oder dem Eigentümer, und darüber sagt kein Analysenblatt aus dem Hochbehälter etwas aus. In einem Land mit vielen Ferienwohnungen ist das kein Randthema: In einer Leitung, durch die wochenlang nichts fließt, verändert sich Wasser.
- Kein Warmwasser zum Trinken oder Kochen. Aus warmem Wasser lösen sich Metalle leichter, und im Speicher vermehren sich Legionellen.
- Bei Verdacht auf alte Leitungen eine Probe am eigenen Hahn untersuchen lassen. Bleileitungen in Altbauten sind der klassische Fall, aber auch Kupfer und Messingarmaturen geben etwas ab.
Für Reisende im Wohnmobil kommt der Tank an Bord hinzu, befüllt am Stellplatz oder auf dem Campingplatz am Bodensee. Über dessen Inhalt sagt kein Kontrollbericht des Landes etwas — Filter für Wohnmobil und Camping schon eher.
Wo es Einschränkungen gibt
Amtlich veröffentlichte Einschränkungen gibt es für Vorarlberg nicht. Vor Ort gilt die Auskunft des örtlichen Versorgers, im Zweifel die Ihres Gastgebers.
Häufige Fragen
Kann man das Leitungswasser in Vorarlberg bedenkenlos trinken?
Ja. Das Leitungswasser in Vorarlberg ist Trinkwasser und unterliegt der österreichischen Trinkwasserverordnung, die seit der Novelle von 2024 die Richtlinie (EU) 2020/2184 umsetzt. Jeder Betreiber einer Wasserversorgungsanlage muss regelmäßig untersuchen lassen, überwacht wird das von der Lebensmittelaufsicht des Landes.
Eine Einhaltungsquote eigens für Vorarlberg gibt es nicht: Der Österreichische Trinkwasserbericht weist die Entsprechungsquoten nur für ganz Österreich aus. Wer es für den eigenen Ort genau wissen will, fragt bei der Gemeinde, dem Verband oder der Wassergenossenschaft nach dem aktuellen Analysenblatt.
Wie hart ist das Wasser in Vorarlberg?
Das lässt sich nicht als eine Zahl für das ganze Land sagen, und wir nennen deshalb auch keine. Verbindlich ist immer die Angabe des Versorgers, der den eigenen Hahn speist — sie steht im Analysenblatt der Gemeinde, des Verbands oder der Genossenschaft.
Für den Hausgebrauch genügen Teststreifen aus dem Handel, um die Größenordnung am eigenen Wasserhahn zu bestimmen. Wichtig beim Ablesen: Die Skala auf deutschen Packungen ist eine deutsche Rechtsgröße, keine österreichische. Der abgelesene Wert in Grad deutscher Härte stimmt trotzdem.
Woher kommt das Trinkwasser in Vorarlberg?
Aus gefassten Quellen im Gebirge und aus Brunnen im Grundwasser der Talböden, vor allem im Rheintal und im Walgau. Niederschlag versickert in den Bergen, wandert durch das Gestein und tritt weiter unten in Quellen wieder aus; Oberflächenwasser aus dem Bodensee wird dafür nicht herangezogen.
Rund um Quellfassungen und Brunnen werden gestufte Schutzzonen ausgewiesen. Zone I liegt unmittelbar um die Fassung und ist meist eingezäunt, Zone II ist so bemessen, dass Wasser von ihrer Grenze mindestens 60 Tage bis zur Fassung braucht, Zone III deckt den weiteren Einzugsbereich ab.
Dürfen Babys und Kleinkinder das Leitungswasser in Vorarlberg trinken?
Grundsätzlich ja, denn für Trinkwasser gelten dieselben Parameterwerte, egal wer es trinkt. Für die Zubereitung von Säuglingsnahrung gilt trotzdem: immer kaltes Wasser nehmen, nie Warmwasser, und den ersten Schwall ablaufen lassen, bis das Wasser gleichmäßig kalt nachläuft.
Der kritische Punkt ist selten die Quelle, sondern die Leitung im Haus. Bei Verdacht auf alte Blei- oder Kupferinstallationen sollte das Wasser am tatsächlich benutzten Hahn untersucht werden, bevor es für Babynahrung verwendet wird. Ruft die Gemeinde ein Abkochgebot aus, gilt es ohne Ausnahme auch für Säuglingsnahrung.
Gelten in Vorarlberg dieselben Grenzwerte wie in Deutschland?
Nein, an mehreren Stellen nicht. Beide Länder setzen dieselbe EU-Richtlinie um, aber in eigenen Verordnungen. Beim Uran nennt die österreichische Trinkwasserverordnung 15 µg/l, die Richtlinie (EU) 2020/2184 nennt 30 µg/l und die deutsche Trinkwasserverordnung 10 µg/l.
Beim Nitrit ist Österreich mit 0,10 mg/l ebenfalls strenger als die EU-Richtlinie mit 0,50 mg/l. Wenn eine Quelle „laut Trinkwasserverordnung“ schreibt, lohnt der Blick, welche Verordnung gemeint ist — in Vorarlberg ist es nie die deutsche.
Ist Chlor im Vorarlberger Leitungswasser?
Für freies Chlor nennt die Richtlinie (EU) 2020/2184 überhaupt keinen Parameterwert. Geregelt sind nur die Nebenprodukte der Desinfektion, in der österreichischen Liste etwa Chlorat und Chlorit mit je 0,25 mg/l.
Wie viele Vorarlberger Anlagen desinfizieren und mit welchem Verfahren, geht aus dem Trinkwasserbericht nicht hervor — er weist Entsprechungsquoten aus, keine Aufbereitungsverfahren. Eine Zahl dazu nennen wir deshalb nicht. Wenn Chlorgeruch stört, hilft eine offen stehende Karaffe: Ein großer Teil verflüchtigt sich innerhalb weniger Minuten.
Wo finde ich die Wasserwerte für meine Vorarlberger Gemeinde?
Beim Betreiber der Anlage, die den Ort versorgt — je nach Gemeinde sind das die Stadt- oder Gemeindewerke, ein Wasserverband oder eine Wassergenossenschaft. Dort liegt die aktuelle Untersuchung, und dort wird sie auf Nachfrage herausgegeben; viele Versorger stellen das Analysenblatt auch auf ihre Website.
Der Jahresbericht des Landes ersetzt das nicht. Er fasst Kontrollergebnisse zusammen, nennt aber keine laufenden Werte für die einzelne Adresse — und sein jüngster Jahrgang ist 2020.
Wer ist zuständig, wenn mit dem Trinkwasser etwas nicht stimmt?
Zuerst der Versorger des Ortes — die Gemeinde, der Verband oder die Wassergenossenschaft. Er betreibt das Netz bis zur Übergabestelle und meldet Störungen und Einschränkungen. Behördlich zuständig ist nach der österreichischen Trinkwasserverordnung der Landeshauptmann; vollzogen wird über die Lebensmittelaufsicht des Landes, untersucht unter anderem vom Umweltinstitut in Bregenz.
Liegt das Problem hinter dem Hausanschluss, endet die Zuständigkeit des Versorgers. Dann ist die Eigentümerin oder der Eigentümer der Liegenschaft verantwortlich — bei Mietwohnungen also die Hausverwaltung, nicht das Wasserwerk.
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Für Vorarlberg sind keine Analysewerte veröffentlicht. Das ist kein Grund zur Sorge — kontrolliert wird trotzdem. Es heißt nur: Wer wissen will, was im eigenen Glas ist, bekommt die Antwort nicht aus dem Netz. Und wer sie ändern will, sowieso nicht.
Dazu kommt, was ohnehin nicht geprüft wird: Die Trinkwasserverordnung regelt rund 50 Stoffe, im Wasserkreislauf zirkulieren Tausende — Arzneimittelrückstände, Hormone, Pflanzenschutzmittel, Industriechemikalien, Mikroplastik. Was aus der Leitung kommt, ist ein hoher Standard. Es ist nicht das bestmögliche Wasser.
Wäre eine eigene Wasseranalyse die Lösung? Sie wäre der einzige Weg zu Zahlen für Vorarlberg — aber zu Zahlen für einen einzigen Tag, für die Stoffe, die Sie bestellt und bezahlt haben. Am Wasser selbst ändert eine Messung nichts. Wer den Befund ohnehin filtern würde, kann den Filter gleich setzen: Er wirkt an jedem Tag und für alle Stoffe, die er zurückhält.
Wer mehr will als die Einhaltung von Grenzwerten, filtert selbst — leitungsgebunden, direkt an der Entnahmestelle, statt in Flaschen zu investieren. Genau dort, wo die Zuständigkeit des Versorgers endet und Ihre eigene Hausinstallation anfängt: hinter dem letzten Meter, den keine Analyse dieser Seite abdeckt.
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